Kein Laborwert stellt eine Diagnose. Er liefert einen Baustein, der zusammen mit Beschwerden, Untersuchung und Vorgeschichte ein Bild ergibt. Die folgenden Zuordnungen zeigen, welche Werte bei einer Fragestellung überhaupt etwas beitragen.
Eisenmangel und Eisenmangelanämie
Der häufigste Mangel überhaupt, in Deutschland besonders bei menstruierenden Frauen. Ein niedriges Ferritin macht leere Speicher wahrscheinlich, wird aber durch jede Entzündung angehoben; ob daraus schon eine Anämie geworden ist, zeigt das Blutbild. Woher die Verluste stammen, klärt erst die weitere Abklärung.
FerritinHämoglobinMCVMCHTransferrinsättigung
Vitamin-B12- und Folsäuremangel
Ein Mangel entsteht bei veganer Ernährung, nach Magenoperationen, unter Metformin oder Säureblockern. Auffällig große rote Blutkörperchen im Blutbild lenken den Blick darauf; Werte im Graubereich lassen sich über Holo-TC oder Methylmalonsäure weiter einordnen, ein einzelner B12-Wert entscheidet die Frage nicht.
Vitamin B12Holo-TCFolsäureMCVHämoglobin
Schilddrüsenunterfunktion
Müdigkeit, Frieren, trockene Haut und Gewichtszunahme kommen auch ohne Schilddrüsenerkrankung vor und sind für sich genommen unspezifisch. Ein erhöhtes TSH bei normalem fT4 spricht für eine latente, ein zusätzlich niedriges fT4 für eine manifeste Unterfunktion; beides gilt erst, wenn eine zweite Messung den Befund bestätigt.
TSHfT4fT3TPO-AK
Schilddrüsenüberfunktion
Herzklopfen, Unruhe, Schwitzen und Gewichtsverlust passen zu einer Hyperthyreose. Ein erniedrigtes TSH ist der erste Hinweis, die freien Hormone und die Antikörper trennen anschließend die möglichen Ursachen voneinander. Hoch dosiertes Biotin kann ein erniedrigtes TSH im Labor vortäuschen.
TSHfT3fT4TRAK
Hashimoto-Thyreoiditis
Die häufigste Ursache einer dauerhaften Unterfunktion in Deutschland. Erhöhte TPO-Antikörper machen eine autoimmune Entzündung wahrscheinlich, sagen aber nichts über die aktuelle Funktion aus, die allein am TSH und fT4 abgelesen wird. Zur Einordnung gehört der Ultraschall der Schilddrüse dazu.
TPO-AKTSHfT4
Prädiabetes und Typ-2-Diabetes
Nüchternglukose und HbA1c beschreiben zusammen, wie der Zuckerstoffwechsel über Wochen gelaufen ist. Grenzwertige Befunde gehören wiederholt gemessen, bevor daraus eine Diagnose abgeleitet wird; bei Anämie oder verkürzter Lebensdauer der roten Blutkörperchen ist das HbA1c nicht verwertbar.
Glukose nüchternHbA1cHOMA-IRTriglyceride
Metabolisches Syndrom
Bauchumfang, Blutdruck und Laborwerte ergeben gemeinsam das Bild, das Labor allein reicht dafür nicht. Im Befund fallen typischerweise hohe Triglyceride bei niedrigem HDL, ein steigendes HbA1c und eine leicht erhöhte Gamma-GT zusammen auf.
HbA1cTriglycerideHDL-CholesterinGamma-GTHarnsäure
Fettstoffwechselstörung
Erhöhte Blutfette verursachen keine Beschwerden und werden fast immer im Labor entdeckt. Entscheidend ist nicht das Gesamtcholesterin, sondern das LDL im Verhältnis zum individuellen Herz-Kreislauf-Risiko.
LDL-CholesterinHDL-CholesterinTriglycerideCholesterin gesamt
Fettleber
Einer der häufigsten Zufallsbefunde bei erhöhten Leberwerten. Leicht erhöhte GPT und Gamma-GT zusammen mit hohen Triglyceriden und steigendem HbA1c machen sie wahrscheinlich; gesichert wird sie über den Ultraschall und erst nach Ausschluss anderer Leberursachen.
GPTGamma-GTTriglycerideHbA1c
Alkoholbedingte Leberschädigung
Kein Wert beweist einen Alkoholkonsum. Auffällig ist jedoch das Muster: Gamma-GT stärker erhöht als die Transaminasen, GOT über GPT und ein erhöhtes MCV ohne Vitaminmangel. Klarheit bringt erst das Gespräch über die Trinkmenge.
Gamma-GTGOTGPTMCV
Leberzirrhose
Der Umbau der Leber zeigt sich im Labor weniger an den Enzymen als an der Leistung: sinkendes Albumin, fallende Cholinesterase, steigendes Bilirubin und wenige Thrombozyten. Die Diagnose stellen Bildgebung und Elastografie, nicht das Blutbild.
AlbuminCholinesteraseBilirubin gesamtThrombozyten
Chronische Nierenerkrankung
Die Nieren verlieren ihre Funktion lange ohne Beschwerden. Die eGFR über mindestens drei Monate zusammen mit dem Eiweiß im Urin ordnet die Erkrankung in Stadien ein, ein einzelner Kreatininwert genügt dafür nicht.
KreatinineGFRCystatin CHarnstoffKalium
Gicht und Hyperurikämie
Eine hohe Harnsäure allein ist keine Gicht, viele Betroffene bleiben beschwerdefrei. Beim akuten Anfall kann die Harnsäure sogar normal sein, während CRP und Leukozyten nur die Entzündung anzeigen; sicher ist die Diagnose erst mit dem Nachweis von Harnsäurekristallen im Gelenkpunktat.
HarnsäureCRPLeukozytenKreatinin
Vitamin-D-Mangel
In unseren Breiten ist der Spiegel im Winterhalbjahr regelhaft niedrig. Gemessen wird die Speicherform 25-OH-Vitamin D; Calcium und alkalische Phosphatase zeigen, ob der Mangel den Knochenstoffwechsel bereits beeinflusst.
25-OH-Vitamin DCalciumAlkalische Phosphatase
Akute Infektion und Entzündung
Blutwerte helfen bei der Frage, wie stark eine Entzündung ist und wie sie einzuordnen ist. Ein hohes CRP mit Neutrophilie passt zu einer bakteriellen Infektion, eine relative Lymphozytose eher zu einem viralen Verlauf; beweisend für einen Erreger ist keine dieser Konstellationen.
CRPLeukozytenNeutrophileLymphozytenBSG
Eisenüberladung und Hämochromatose
Das Gegenstück zum Eisenmangel und in Nordeuropa erblich nicht selten. Eine dauerhaft hohe Transferrinsättigung mit hohem Ferritin ist der Anstoß für eine genetische Abklärung, bevor Leber und Bauchspeicheldrüse Schaden nehmen.
TransferrinsättigungFerritinGPTGlukose nüchtern